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Das Familienernähermodell
Wie Klassen- und Geschlechterverhältnisse zusammenwirken
Mit dem Ausbau der öffentlichen Kinderbetreuung und dem Elterngeld hat die Familienpolitik eine 180-Grad-Wendung vollzogen. Plötzlich scheint das deutsche Familienernährermodell obsolet, das Männer jahrezehntelang stärker privilegiert hat als es in vielen anderen
europäischen Ländern der Fall war. Mit Angela Merkel und Ursula von der Leyen scheint der Feminismus in der Regierung und mit Publikationen zur Neuen F-Klasse und zum Neuen Feminismus in der Gesellschaft angekommen zu sein.
Zugleich gibt es eine ganze Serie von Bestsellern, die den Zerfall der Familie beklagen und die Rückkehr zur alten Versorgerehe fordern - noch bevor diese überhaupt richtig verschwunden ist. Dieser Neokonservatismus scheint die einzige Opposition gegen den Regierungsfeminismus zu bilden.
In unserer Veranstaltung soll es darum gehen, wie es um das männliche Ernährermodell steht, inwiefern die Familienpolitik der großen Koalition neoliberale Umverteilungspolitik betreibt und warum Eva Herman so erfolgreich ist. Eine These, die wir diskutieren wollen, ist, dass der ehemals linke Feminismus sich den Anspruch auf Geschlechtergerechtigkeit vom neoliberalen Feminimus hat wegnehmen lassen. Zugleich thematisiert die konservative Opposition um Eva Herman die Doppelbelastung der Frauen - eines der früheren Kernthemen des Feminismus. Wie kann ein linker Feminismus Positionen zurückerobern und welche Veränderungen muss er dabei selbst an seinem Projekt vornehmen? Und: Die Linke wird als soziale Bewegung nur dann erfolgreich sein, wenn sie auf dem Feld von Geschlechterpolitik massenfähige Politikansätze entwickelt. Dazu bedürfte es aber der klaren Einsicht, dass es nicht soziale Gerechtigkeit und Klassenherrschaft als ein Thema, patriarchale Unterdrückung und Geschlechterhierarchien als ein ganz anderes Thema gibt, sondern dass beide Themenkomplexe in der Praxis eng miteinander verbunden sind und daher auch nur gemeinsam politisch angegangen werden können.
Vortrag und Diskussion mit Lisa Haller und Jörg Nowak
Mittwoch, 1. Juli 2009 ab 20 Uhr im Stadtteilladen Zielona Gora, Grünberger Str. 73, Berlin-Friedrichshain.