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1914-2014: Vor 100 Jahren begann der 1. Weltkrieg
Der Hauptfeind steht immer noch im eigenen Land!

Im Sommer 2014 jährt sich der Beginn des Ersten Weltkrieges zum hundertsten Mal. Die imperialistische Konkurrenz eskalierte, als die Österreichisch-Ungarische Doppelmonarchie ein Attentat am 28. Juni 1914 auf ihren Thronfolger Franz Ferdinand einen Monat später zum Anlass nahm, Serbien den Krieg zu erklären. Gemäß entsprechenden Bündnisverträgen traten das Russische Zarenreich auf Seiten Serbiens und das Deutsche Reich auf Seiten Österreich-Ungarns in den Krieg ein. Deutschland griff außerdem unter Verletzung der belgischen und luxemburgischen Neutralität den russischen Verbündeten Frankreich an, was wiederum von einer britischen Kriegserklärung an das Deutsche Reich beantwortet wurde; weitere Länder folgten auf beiden Seiten.

Wichtig war der Erste Weltkrieg aber auch für die sozialdemokratischen Parteien. Ab 1881 hatte sich auf einer Serie sog. Internationaler Sozialistenkongresse die II. Internationale herausgebildet. Die Kongresse erklärten: "Droht der Ausbruch eines Krieges, so sind die arbeitenden Klassen und deren parlamentarische Vertreter in den beteiligten Ländern verpflichtet, [...], alles aufzubieten, um durch die Anwendung der ihnen am wirksamsten erscheinenden Mittel den Ausbruch des Krieges zu verhindern, [...]. Falls der Krieg dennoch ausbrechen sollte, sind sie verpflichtet, für dessen rasche Beendigung einzutreten und mit allen Kräften dahin zu streben, die durch den Krieg herbeigeführte wirtschaftliche und politische Krise zur Aufrüttelung des Volkes auszunutzen und dadurch die Beseitigung der kapitalistischen Klassenherrschaft zu beschleunigen."

Diese Ankündigung überlebte den Beginn des Ersten Weltkrieges nicht. Die meisten Mitgliedsorganisationen, so auch die Sozialdemokratische Partei Deutschlands (SPD), unterstützten die Regierungen 'ihrer' jeweiligen Staaten.

Bild: Zu Beginn stand die Mehrheit der deutschen Bevölkerung hinter dem Krieg wie hier in Lübeck. Kommunist_innen auf der ganzen Welt blieben jedoch standhaft und kritisierten Nationalismus, Patriotismus und Kriegsbegeisterung.

In Deutschland beugten sich am 4. August 1914 insgesamt 14 SPD-Abgeordnete, darunter auch Karl Liebknecht, der Fraktionsdisziplin und stimmten - entgegen ihrem vorhergehenden fraktions-internen Votum - für die Bewilligung der Kredite zur Finanzierung des Krieges, Ende des Jahres stimmte dann Liebknecht gegen die Bewilligung weiterer Kredite.

In Italien stimmte die Sozialistische Partei dagegen am 20. Mai 1915 gegen den Kriegseintritt. Im Russischen Zarenreich agitierten die Bolschewiki gegen die Kriegspolitik. Im September des gleichen Jahres fand im schweizerischen Zimmerwald eine Konferenz von 37 sozialistischen KriegsgegnerInnen aus zwölf Ländern statt. Innerhalb dieser Konferenz bildete sich wiederum ein linker Flügel um Lenin heraus ("Zimmerwalder Linke").

Die SPD trat ein für Vaterland, Nation, Krieg und Kapitalismus; der Krieg forderte mit all seinen Gräueln und den Giftgaseinsätzen über 10 Mio Opfer (Wikipedia). Dagegen setzten Kriegsgegner_innen und Kommunist_innen dem Treiben mit der Oktoberrevolution in Russland und der Novemberrevolution in Deutschland ein Ende. Von der SPD wurden sie dafür rücksichtslos verfolgt und ermordet - Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht wurden die populärsten Opfer.

Bild: 9. November 1918: Karl Liebknecht ruft die freie, sozialistische Republik Deutschland aus - die Stimmung in Deutschland hatte sich verändert.

In der Sowjetunion führten Anfang der 1920er Bürgerkrieg, Isolation und westliche Interventionen nach einem Abflauen der weltweiten revolutionären Bewegungen zu einem Erstarken stalinistischer Kräfte, die sich wie zuvor die Sozialdemokratie in den revolutionären Parteien breit machten und die kommunistischen Kräfte isolierten.

Aus diesem Anlass wollen wir uns im Jahr 2014 der Frage widmen, wie re­volutionäre Antikriegspolitik heute aussehen muss und welche Lehren wir aus der Kapitulation der sozialdemokratischen Parteien und der Stalinisierung hinsichtlich der Perspektive einer befreien, kommunistischen Gesellschaft ziehen müssen.

Wir werden uns dabei u.a. in den nächsten Monaten auch kritisch mit der Rolle der Demokratie bei der Durchsetzung bürgerlicher Ausbeutungs- und Unterdrückungsverhältnisse, mit der Rolle der Sozialdemokratie 1918 und 1933, mit der Zimmerwalder Konferenz und mit den Erfahrungen der kommunistischen Linken aus Italien auseinandersetzen.

In Berlin gibt es 2 unterschiedliche Demonstrationen zum Gedenken an die ermordeten Revolutionär_innen im Verlauf der Novemberrevolution 1918.

12. Januar 2014 "Die Revolution sagt: Ich bin, ich war, ich werde sein."
Luxemburg-Liebknecht-Lenin-Demo - 10 h - U Frankfurter Tor
Karl-und Rosa-Demo - 11 h - Potsdamer Platz

 

Demokratie - die süßeste Versuchung seit es Politik gibt?
Workshop-Tag zum kritischen Umgang mit Demokratie

Rosa Luxemburg schrieb 1918 in ihrer berühmten Kritik an der Politik der Bolschewiki nach der Oktober-Revolution: "Wir unterschieden stets den sozialen Kern von der politischen Form der bürgerlichen Demokratie, wir enthüllten stets den herben Kern der sozialen Ungleichheit und Unfreiheit unter der süßen Schale der formalen Gleichheit und Freiheit - nicht um diese zu verwerfen, sondern um die Arbeiterklasse dazu anzustacheln, sich nicht mit der Schale zu begnügen, viel mehr die politische Macht zu erobern, um sie mit neuem sozialem Inhalt zu füllen."

Bild: Der Tod des Sokrates - Die Geschworenen hatten den Athener Philosophen mit einer demokratischen Mehrheit von 361 : 140 Stimmen wegen Gottlosigkeit zum Tode verurteilt.

Und Peter Alexander sang 1952: "Die süßesten Früchte fressen nur die großen Tiere, nur weil die Bäume hoch sind und diese Tiere groß sind. Die süßesten Früchte schmecken mir und Dir genauso." Er schloß daran die fatalistische Botschaft an: "Doch weil wir beide klein sind, erreichen wir sie nie."

Wir nun wollen bei diesem Workshop-Tag fragen,

ob sich die "politische Form der bürgerlichen Demokratie" wirklich so einfach von dem "herben Kern" der kapitalistischen Ökonomie abschälen und unverändert in eine nach-kapitalistische Gesellschaft verpflanzen, d.h.: mit "neuem sozialem Inhalt [...] füllen" läßt, wie Rosa Luxemburg meinte,

oder ob die Metaphorik von Kern und Schale nicht vielmehr davon ablenkt, daß die "bürgerliche Demokratie" gerade die politische Ideal-Form der kapitalistische Ökonomie ist.

Der Workshop-Tag findet statt:
Sonntag, den 26.01.2014 - B-Lage - Mareschstraße 1 - Berlin-Neukölln

13:30 h - 16:00 h: Workshop 1: Wie dumm waren wir damals - in den 20er Jahren und im 'langen Roten Jahrzehnt' von Ende der 60er bis Ende der 70er Jahre?

Ein untaugliches Prinzip - Demokratie-Kritik der Kommunistischen Linken (die Sinistra Comunista und Amadeo Bordiga [1889- 1970]). Input von interkomm

Warum die Form immer noch wesentlich ist. - Mit Lenin (1870 - 1924) den Demokratie-Essentialismus kritisieren. Input von Detlef Georgia Schulze

Die Materialität ernst nehmen. Mit Poulantzas die Revolution durch, mit und gegen den Staat denken. Input von N.N.

16:00 - 16:30 h: Kaffeepause

16:30 - 18:30 h: Workshop 2: Sind wir heute soviel schlauer?

Radikal, aber nicht revolutionär? - Zum Konzept der radikalen Demokratie. Input von aze*

Zur Kritik freiraum-gradualistischer Konzeptionen von Vergesellschaftung und direkter Demokratie. Input von Rüdiger Mats

18:30 - 19:30 h: Essenspause

19:30 - 21:30 h: Abschluß-Diskussion: Herrschaft und Ausbeutung abschaffen - geht das demokratisch?

Als 2011 in Spanien die Rede von der democracia real aufkam, was die deutsche occupy-Szene als "echte Demokratie" übersetzte, waren sich viele Linke einig, daran konstruktiv-kritisch anzuknüpfen und zu ergänzen: "Echte Demokratie - das geht aber nur ohne Kapitalismus". Wir wollen zum einen fragen, ob "konstruktiv-kritisch" kritisch genug ist, und zum anderen, ob die Überwindung von Herrschaft und Ausbeutung mit Demokratie identisch oder jedenfalls auf demokratische Weise möglich ist.

Anna Dohm: Warum / unter welchen Bedingungen ist (kann) direkte Demokratie mehr als eine selbstverwaltete Insel im Ozean des Kapitals (sein)?

Fast Forward Hannover: Warum Antikapitalismus etwas anderes als echte Demokratie ist

Interkomm: Warum Antikapitalismus nicht eine Frage der demokratischen Mehrheit, sondern der Macht und des Kräfteverhältnisses ist!