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90 Jahre Novemberrevolution
Kommunismus ist möglich!

 

Luxemburg-Liebknecht-Lenin-Demonstration
11.01.2009 | 10 Uhr | U Frankfurter Tor | Berlin

Roter Abend – Buchvorstellung mit Autor Ralf Hoffrogge:
“Richard Müller – Der Mann hinter der Novemberrevolution”
07.01.2009 | 20 Uhr | Zielona Gora | Grünberger Straße 73 | Berlin

Gedenken heißt Erinnern

Mit Zustimmung der SPD zu den Kriegskrediten begann 1914 der 1. Weltkrieg. Die SPD hatte mit nationalistischen Parolen die ArbeiterInnenbewegung verraten und sich mit dem bürgerlichen-kapitalistischen Staat verbrüdert.

15 Millionen Menschen fielen dem Krieg insgesamt zum Opfer; die soziale Lage der Menschen in Europa verschlechterte sich dramatisch. In der Folge kam es zum Aufstand, zur Revolution. In Deutschland bildeten sich überall Arbeiter-, Bauern- und Soldatenräte. Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht gründeten die KPD. Der Kaiser war gestürzt, Liebknecht verkündet: „In dieser Stunde proklamieren wir die freie sozialistische Republik Deutschland!“

Die Selbstentmachtung der Räte

In Rußland und Deutschland entstanden die Räte spontan aus dem Wunsch der ArbeiterInnenklasse heraus, die Produktion selber in die Hand zu nehmen und den Kapitalismus zu überwinden. Sie waren eine organisatorische Notwendigkeit, um die private Produktion in eine gemeinschaftliche Produktion zu überführen. Dennoch waren die Räte in Deutschland nicht in der Lage, die Revolution erfolgreich zu Ende zu führen.

Denn die SPD nutzte ihren Einfluß, sorgte für die Selbstentmachtung der Räte und richtete gemeinsam mit den faschistischen Freikorps ein Blutbad an. Luxemburg und Liebknecht waren lediglich die prominentesten Opfer, das SPD-Organ „vorwärts“ rief offen zum Mord an den beiden RevolutionärInnen auf.

Erinnern heißt auch Lehren ziehen

Gedenken und Erinnern mit der LLL-Demonstration sind weder Volksfest noch nostalgisches Ritual. Für uns steht die Frage im Vordergrund, welche Ergebnisse die Novemberrevolution 1918 hatte, welche Erfahrungen und Lehren wir aus ihrem Scheitern ziehen müssen: Alle Errungenschaften der Weimarer Republik – die Republik selbst, das Frauenwahlrecht, der Achtstundentag, Betriebsräte, die Sozialgesetzgebung – diese Zugeständnisse wären ohne die revolutionären Aktionen der Massen im November 1918 nicht möglich gewesen.

In der Linken wird die Rätebewegung häufig idealisiert, ohne die Ursachen für die Selbstentmachtung und die Grenzen der Rätebewegung zu analysieren. Nach dem Verrat der SPD wurde die entstehende kommunistische Bewegung in Deutschland von den revolutionären Ereignissen überrascht. Die Trennung von der SPD erfolgte zu spät, eine kommunistische Organisierung hat noch nicht existiert bzw. war noch in der Gründungsphase und war noch nicht richtig in der ArbeiterInnenbewegung verankert.

Fehlende kommunistische Organisation und Strategie

Tatsache ist, dass der Kapitalismus mit seinen Widersprüchen, gerade jetzt in der Wirtschaftskrise, zu sozialer Ungerechtigkeit, Verarmung, Massenarbeitslosigkeit, Lohnkürzungen und Druck in den Betrieben führt – Kapitalismus ist und bleibt eine Klassengesellschaft, die auf der Ausbeutung der Ware Arbeitskraft und auf Profitmaximierung basiert. Deutschland setzt seine wirtschaftlichen Interessen rücksichtslos durch und führt wieder Krieg – in den Ländern der Peripherie ist die Situation für die Menschen unerträglich. Die Unterdrückungsformen Patriarchat und Rassismus/Antisemitismus sind nach wie vor existent und fester Bestandteil in der kapitalistischen Weltordnung. Vor diesem Hintergrund ist für uns klar, dass der Kapitalismus abgeschafft werden muss und der Kommunismus ein
uneingelöstes Versprechen ist, das nötiger denn je ist.

Auch heute stehen wir vor dem Problem, dass es viele kleine Splittergruppen gibt, die sich im weitesten Sinne als kommunistisch verstehen. Aber es gibt keine gesellschaftlich relevante kommunistische Organisation und auch keine gemeinsame inhaltliche Grundlage, auf deren Basis eine engere Zusammenarbeit möglich wäre. Unser strategisches Ziel ist es deshalb, einen Austausch und eine Organisierung von den Gruppen zu schaffen, die sich im klassischen und modernen Sinne als kommunistisch begreifen. Was dies konkret bedeutet, darüber sind wir gerne bereit zu diskutieren.

Kommunistische Inhalte, Konzepte, Strategien und Politik können nur langfristig in einer kommunistischen Organisation entwickelt werden. Kämpfe und Bewegungen, die sich selbst überlassen werden, enden in der Regel in der Umsetzung von tagespolitischen Forderungen. Revolutionäre Positionen müssen hingegen in einer langfristigen Auseinandersetzung mit den kapitalistischen Ausbeutungs- und Unterdrückungsverhältnissen entwickelt und in die Kämpfe hineingetragen werden.

Luxemburg-Liebknecht-Lenin-Demonstration
11.01.2009 | 10 Uhr | U Frankfurter Tor | Berlin


 

Roter Abend – Buchvorstellung mit Autor Ralf Hoffrogge:
“Richard Müller – Der Mann hinter der Novemberrevolution”
07.01.2009 | 20 Uhr | Zielona Gora | Grünberger Straße 73 | Berlin

Richard Müller – der Mann hinter der Novemberrevolution (Buchvorstellung und Diskussion)

Soldatenräte tagen im Reichstag, Arbeiterräte regieren im Abgeordnetenhaus – vor 90 Jahren war genau das Realität in Berlin. Eine sozialistische Rätebewegung hatte den Kaiser gestürzt und das Ende des ersten Weltkrieges erzwungen.

Einer der führenden Köpfe dieser Bewegung war Richard Müller. Seit 1914 im Widerstand gegen den ersten Weltkrieg aktiv, organisierte er mit seiner Gruppe der „Revolutionären Betriebsobleute“ Massenstreiks in den Berliner Rüstungsbetrieben. Im Bündnis mit USPD und Spartakusgruppe bereiteten er und die Obleute ende 1918 die Novemberrevolution vor. Trotz taktischer Differenzen der drei Gruppen gelang das unmögliche: die Revolution siegte und die Räte hatten das Sagen in Fabriken, Kasernen und Ministerien.

Nach dem 9. November 1918 übernahm Müller den Vorsitz des Berliner Vollzugsrates der Räte, war somit Vorsitzender des höchsten Rätegremiums. Durchsetzen sollten sich freilich andere: Durch ein Bündnis aus Sozialdemokratie und Armeeführung wurde die Rätebewegung unterdrückt, ihre Strukturen zerschlagen und viele ihrer Aktiven ermordet. Neben Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht fielen auch Kurt Eisner, Integrationsfigur der Revolution in Bayern, sowie Leo Jogiches, Cheforganisator der Spartakusgruppe, rechten Attentätern zum Opfer.

Richard Müller war es, der nach dem gescheiterten Januaraufstand 1919 die traurige Pflicht hatte, Liebknechts Körper im Leichenschauhaus zu identifizieren. Obwohl die Mehrheit der Revolutionären Obleute sich am Aufstand beteiligte, hatte Müller ihn abgelehnt. Genau wie Liebknecht und Luxemburg strebte auch er nach einem Weitertreiben der Revolution und der Sicherung der Rätemacht, hielt jedoch den Zeitpunkt des Januaraufstandes für verfrüht. Er behielt recht, wo er lieber geirrt hätte: der Aufstand war brutal niedergeschlagen, die Arbeiter und Arbeiterinnen Berlins auf Monate demoralisiert. Als im März 1919 ein letzter großer Generalstreik gegen die sozialdemokratische Regierung ebenfalls scheiterte, war das Schicksal der Räte besiegelt. Von nun an beherrschten die politischen Parteien die Bühne, eine autonome Rätebewegung gab es nicht mehr.

Trotz ihrer Verdienste in Revolution und Rätebewegung sind Müller und die Revolutionären Obleute vergessen: sie wehrten sich gegen den Reformismus der SPD, aber auch gegen die sich schon 1921 abzeichnende autoritäre Wende der KPD. Im Kalten Krieg der Erinnerung wurden sie daher stets verdrängt. Heute, 90 Jahre nach der Novemberrevolution und 20 Jahre nach dem Fall des Realsozialismus führt für kritische Linke kein Weg daran vorbei, diese Umbruchszeit der Arbeiterbewegung neu zu diskutieren. Ein neuer Blick auf die oft instrumentalisierten Persönlichkeiten Luxemburg und Liebknecht ist nötig, ebenso eine Neuentdeckung unbekannter Strömungen und Akteure wie Müller und der Obleute.

Ralf Hoffrogge stellt die von ihm verfasste Biographie Richard Müllers vor und gibt Gelegenheit zur Diskussion über Revolution und Rätebewegung 1918/1919.

Für Neugierige - ein Kapitel des Buches ist in gekürzter Form im Internet zu lesen:

http://jungle-world.com/artikel/2008/46/29750.html