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Gedenken an die Opfer der Aktion "Arbeitsscheu Reich"

Der Arbeitskreis "Marginalisierte - gestern und heute!" plant eine Veranstaltungsreihe zum Erinnern und Gedenken an die Opfer der Aktion "Arbeitsscheu Reich" am 23.01.1938 und weitere Attacken auf sogenannte Asoziale während der NS-Zeit.

Der Arbeitskreis "Marginalisierte – gestern und heute" vereint Philosophen, Paädagogen Erwerbslose und Freiberufler sowie Gedenk- und Erinnerungsarbeiter, die bereits zu Themen wie „Perspektiven der Arbeit“ und „Soziale Ausgrenzung“ zwei Veranstaltungsreihen organisierten.

Gestern, heute, morgen

Am 26.01.2008 erinnern wir an die Opfer der Aktion "Arbeitsscheu Reich" im NS-Staat. Sie waren sogenannte Asoziale: Wohnungslose, Wanderer, Alkoholkranke, aber auch Alleinerziehende mit Kindern von verschiedenen Vätern, unverheiratete Frauen, Psychiatriebetroffene oder einfach solche, die nicht immer pünktlich auf der Arbeit erschienen. Zwischen 1933 und 1945 gab es verschiedene Aktionen der Nazis und ihrer Helfer gegen solche Menschen, z.B. bei der Verfolgung wegen der Gesinnung, bei der Erzwingung des Arbeitskrafteinsatzes von Bettlern und Tippelbrüdern, mit der gezielten Kenntlichmachung durch die Fürsorgeämter, Wohlfahrtsverbände nde und Einrichtungen, mit der Aktion „Arbeitsscheu Reich“ 1938, durch die Einweisung in Heil- und Pflegestätten im Sommer 1942.

Heutzutage ist diese historische Erinnerung wichtig. Denn u.a. durch die Arbeitsagenturen und SGB II-Träger läuft eine nunmehr rechnergestützte Datenerfassung von Erwerbslosen. Unterlassene Mitwirkungen, angebliche Abbrüche von Arbeitsfördermaßnahmen und Kündigungen der Arbeitsstelle werden ebenso gespeichert wie Berufs-, Fähigkeits- und Fertigkeitsprofile oder die sogenannten Vermittlungshemmnisse. Die Unterlassungen der Arbeitssuchenden und ihr "Nichtfunktionieren" werden registriert. Unter dem Deckmantel des Kostensparens erfolgt eine Aussiebung von Erwerbslosen, die krank, behindert oder leistungsgemindert sind, die rechtliche Gegenwehr leisten, widerspenstig sind oder sich widersetzen.

Verfolgung von "Asozialen" vor 70 Jahren - Vergessene Opfer und Kontinuitäten?

Die Aktion "Arbeitsscheu Reich" markiert den Höhepunkt der "Asozialenverfolgung" im Nationalsozialismus. Seit 1938 drängten die Wohlfahrtsämter die Polizeibehörden geradezu zur Verhaftung von "Asozialen". An die Stelle der Schikanen und der Vertreibung von Bedürftigen traten ihre Erfassung und Vernichtung. Die Sozialutopie von der endgültigen Beseitigung abweichenden Verhaltens wurde in die Tat umgesetzt. Die Aktion "Arbeitsscheu Reich" war dabei das bedeutendste Einzelereignis der NS-Politik gegen "Asoziale". Nach dem Erlass vom 26.01.1938 folgten eine Gestapoaktion am 21.04.1938 und eine Kriminalpolizeiaktion am 13.06.1938. Zirka 20.000 "Asoziale" wurden in die Konzentrationslager eingeliefert. Straftäter, Trinker, Prostituierte und Heimzöglinge galten als "asozial". Sie trugen den schwarzen Winkel. Als "Asoziale" standen sie ganz unten in der Hierarchie.

Nach dem Krieg wurden letztere vom Bundesentschädigungsgesetz ausgeschlossen: Erst 1987 richteten Bund und Länder für die vergessenen Opfer wie für Roma und Sinti, Homosexuelle und Wehrmachtsdeserteure einen Härtefonds ein. Der Gruppe der als "asozial" verfolgten Menschen fehlt jedoch bis heute eine Lobby.

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