internationale kommunistInnen - internationale kommunisten berlin - für den kommunismus!
Links:


Hol´ dir dein Leben zurück!
Dem Kapital eine Niederlage bereiten!

1. Mai 2007 • Berlin • Kreuzberg • Lausitzer Platz

14 h Mayday-Parade • 18 h revolutionäre Demo


Aufruf der internationalen KommunistInnen zum 1. Mai:

Die Wirtschaft in Deutschland boomt und die Gewinne der Unternehmen und AktienbesitzerInnen steigen. Immer wieder haben PolitikerInnen und Medien gepredigt, dass es uns allen besser geht, wenn es der Wirtschaft gut geht. Doch werfen wir ein paar Schlaglichter auf die Realitäten von uns, den Lohnabhängigen, Erwerbslosen oder Studierenden im Jahr 2007:

Hartz IV und Billigjobs machen arm

Als Hartz IV-EmpfängerInnen werden wir von den Jobcentern zunehmend Kontroll- und Herrschaftsmechanismen unterworfen wie sie zuvor an MigrantInnen ausprobiert worden sind. Wir müssen zu jeder Zeit für Beratungsgespräche und Job-Angebote zur Verfügung stehen. Wollen wir den Ort unseres Jobcenters verlassen, brauchen wir die Genehmigung unseres Fallmanagers und die kann er uns ohne Angaben von Gründen verweigern. Auch jeder Wohnungswechsel, jede Veränderung unserer persönlichen Lebensverhältnisse soll von den Ämtern begutachtet werden. So war es längst nicht mehr nur eine Satire oder verunglückte Idee, als im letzten Jahr der hessische Justizminister Wagner Fussfesseln für Erwerbslose in die Diskussion gebracht hat. Eine Residenzpflicht für Erwerbslose zumindest besteht faktisch schon durch die beschriebenen Maßnahmen.

Dieser ganze Druck dient in erster Linie dazu, unsere Arbeitskraft unter den schlechtesten Bedingungen zu verkaufen. Selbst offizielle Studien können nicht mehr leugnen, dass Armut längst nicht mehr ein Problem von Erwerbslosen darstellt. Zunehmend fallen vollerwerbstätige KollegInnen unter einen Monatslohn, der zum Leben zu wenig und zum Sterben zu viel ist. Ganze Berufszweige wie der Einzelhandel sind schon zum Billiglohnsektor geworden. Stundenlöhne unter 5 Euro sind keine Seltenheit. Durch die Aufhebung der Ladenschlussbestimmungen ist es ist es für KollegInnen in Billigladenketten häufig üblich, bis spät in die Nacht arbeiten zu müssen. Einst tariflich erkämpfte Standards wie Urlaubsgeld, Tariflöhne, 37,5 Stundenwoche etc. sind für viele KollegInnen nicht mehr gegeben.

Praktikas und unbezahlte Arbeit

Zunehmend werden die Arbeiten von PraktikantInnen erledigt, die für ihre Arbeit überhaupt keinen Lohn mehr bekommen. Längst sind es nicht mehr nur junge AbiturientInnen, die sich von Praktikum zu Praktikum hangeln. Im Einzelhandel und auch im Dienstleistungsgewerbe nimmt das Praktikantenunwesen ebenfalls zu. Berufsausbildungen werden meistens nur noch geringfügig oder gar nicht mehr entlohnt bzw. vom Staat bezuschusst.

Von der Vollzeitarbeit zum Arbeitslosengeld II und der menschenunwürdigen Abschiebepraxis von MigrantInnen zeigt sich das Ziel von Kapitaleigner und Vermögenden: Nur gewünschte und verwertbare Arbeitskraft soll in der BRD zum Hungerlohn schuften, die ungewünschten Nichtverwertbaren schiebt der Staat ins Ausland oder in die Einkommenslosigkeit ab.

In der Öffentlichkeit wurde die neue Armut erst verstärkt wahrgenommen, als JungakademikerInnen nicht mehr automatisch mit einem Studienabschluss das Ticket für einen gesellschaftlichen Aufstieg in der Tasche hatten. Im Jobcenter und auf dem PraktikantInnenmarkt sind sie nur weitere KonkurrentInnen für schlecht oder gar nicht entlohnte Arbeit. Der Begriff der prekären Lebens- und Arbeitsverhältnisse, der schon von Jahren von sozialen Bewegungen wie dem Mayday zur Kritik an den Ausbeutungsverhältnissen verwendet wurde, hat längst in den Mainstreammedien und den PolitikerInnenzentralen Eingang gefunden. Damit soll signalisiert werden, dass ein Problembewusstsein entstanden sei und über Abhilfe diskutiert wird. Debatten um den Mindestlohn sind nur aktuelle Beispiele.

Die Einführung eines Mindestlohnes kann für Teile von unserer Klasse eine Verbesserung bedeuten, wenn er denn hoch genug angesetzt ist. Ein zu niedrig angesetzter Mindestlohn kann dagegen in der Realität auch die Funktion eines Höchstlohnes annehmen und unsere Lebenssituation weiter verschlechtern.

Kapitalismus ist kein Schicksal

Wir wollen aber am 1. Mai und nicht nur da zeigen, dass wir uns mit solchen Heftpflasterchen nicht mehr zufrieden geben. Wenn wir sagen, “Hol Dir Dein Leben zurück”, dann verstehen wir das als deutlichen Kontrapunkt gegen alle Tendenzen, immer und überall verfügbar zu sein: im Job, im Jobcenter, in der Schule, in der Uni. Dann wehren wir uns dagegen, dass uns unter dem Versprechen jung, dynamisch, flexibel zu sein, ein Leben nach dem Takt des Kapitals aufgezwungen werden soll.

Doch uns ist auch klar, ein solcher Widerstand ist mehr als Mayparade oder Demo einmal im Jahr. Ein solcher Widerstand ist auch kein individueller Akt, den “wir mal eben so machen oder auch lassen” können. Es ist ein Kampf für die Niederlage des Kapitals.

Wir-AG statt Ich-AG

Wenn wir es ernst meinen, und unser Leben wirklich nicht mehr unseren Chefs, unseren FallmanagerInnen etc. zur Verfügung stehen wollen, müssen wir uns organisieren. Das mag manchen im Jahr 2007 altbacken vorkommen. Dabei zeigen gerade die zunehmenden Verschlechterungen unserer Arbeits- und Lebensbedingungen, dass unsere Vereinzelung ihr Erfolg ist. Als Ich-AG sollen wir uns ständig selber vermarkten und noch das Gefühl dabei haben, wir sind so flexbiel, dynamisch und frei.

Gründen wir viele Wir-AGs, d.h. schließen wir uns mit KollegInnen zusammen, die auch ihre Arbeitskraft verkaufen müssen und die selben Interessen wie wir haben. Solche Wir-AGs in der Firma, im Jobcenter, an der Uni oder in der Schule können unmittelbare Verbesserungen für uns bewirken. Beispiele gibt es immer wieder: Da haben Erwerbslose in Oldenburg durch gemeinsame Besuche im Jobcenter manche schikanöse Maßnahme rückgängig machen können. Die Beschäftigten von Gate Gourmet, einer Cateringfirma am Düsseldorfer Flughafen, haben durch ihren monatelangen Ausstand gezeigt, dass Streiks möglich und nötig sind. Auch bei BSH in Berlin konnten durch die Proteste zumindest Teilerfolge erzielt werden. Und Studierende an Berliner Hochschulen haben mit ihren Aktionen in den vergangenen Jahren verhindert, dass es in Berlin Studiengebühren gibt. Das sind einige kleine Beispiele von vielen. Sie zeigen, dass es möglich und nötig ist, die eigenen Interessen und nicht die “der Wirtschaft”, “des Unternehmens”, “der Nation” etc. durchzusetzen.

Unser Kampf ist grenzenlos

Wir solidarisieren uns mit Lohnabhängigen, die für ihre Interessen Kämpfen, überall auf der Welt, egal wo sie leben und arbeiten. Deshalb sind auch der ukrainische Bauarbeiter oder die indische Krankenschwester, die in Deutschland ihre Arbeitskraft verkaufen, PartnerInnen im Kampf bei der Verbesserung unserer Lebens- und Arbeitsverhältnisse. So sind auch VW-AutomobilarbeiterInnen in Pamplona/Euskadi oder Continental-MitarbeiterInnen in Mexiko keine StandortkonkurrentInnen sondern Lohnabhängige, mit denen wir uns solidarisieren und von deren Kampf wir lernen können. Die europaweite Bewegung der Euromärsche, die in diesem Jahr in mehreren Routen durch deutsche Städte ziehen, sind ein erster Anfang für ein gemeinsames Handeln.

Wenn wir uns nach Land oder Standort gegeneinander ausspielen lassen, hat nur das Kapital die Vorteile. Dabei wissen wir aus Erfahrung: Selbst den kleinsten Erfolg müssen wir dem Kapital abtrotzen.

Wenn wir mehr als kleine Erfolge haben oder Verschlechterungen verhindern wollen, müssen wir dem Kapital eine Niederlage bereiten. Das scheint gegenwärtig utopisch. Doch in konkreten Kämpfen für Alltagsinteressen scheint die Kraft auf, die den Kapitalismus überwinden kann.

Kämpfen wir für eine Gesellschaft, in der nicht für den Profit sondern für die Bedürfnisse aller Menschen weltweit produziert wird. “Dann endet die Vorgeschichte der Menschheit” (Karl Marx) und kapitalistische Ausbeutung, Patriarchat, Rassimus und Antisemitismus gehören der Vergangenheit an. Machen können das nur wir, die wir ein Interesse an einer Welt ohne kapitalistische Ausbeutung und Verwertungszwang haben.

Wir wollen am 1. Mai in Berlin am Mayday um 14 Uhr und auf der revolutionären Demo um 18 Uhr unser Nichteinverstanden sein mit den Verhältnissen auf die Straße tragen. Über den 1. Mai hinaus wollen wir in Diskussionsveranstaltungen wie den Roten Abenden jeden ersten Mittwoch im Monat im Stadtteilladen Zielona Gora oder bei sozialen Protesten zu dieser antikapitalistischen Perspektive beitragen.

Hol´ dir dein Leben zurück – Solidarität statt Prekarität!
Dem Kapital eine Niederlage bereiten!

Heraus zum 1. Mai:

14 Uhr • Mayday-Parade (http://berlin.euromayday.org)
Auftaktkonzert mit Bernadette La Hengst, Rhythm King And Her Friends

18 Uhr • revolutionäre Mai-Demonstration


Weitere Termine im Rahmen des 1. Mai und der Anti-G8-Proteste:

22. April • 19 Uhr: Prekär arbeiten und leben. Chance oder Schicksal?
Individuell akzeptieren oder organisiert widerstehen? Diskussionsveranstaltung mit Holm Friebe (Autor des Buches “Wir nennen es Arbeit”) und Anne Allex (Kampagne gegen Zwangsumzüge).
Kato • Schlesisches Tor, Kreuzberg.

30. April 2007 • Berlin-Friedrichshain • Boxhagener Platz: Walpurgisnacht

2.5.07 • 20 Uhr: Existenzgeld und Grundeinkommen
Existenzgeld und Grundeinkommen – Utopie oder Richtungsforderung.
Mit Harald Rein und Max Henninger. Am Roten Abend der Internationalen KommunistInnen.
Zielona Gora, Grünberger Str. 73, Fhain.

17.05.07 • 20.30 Uhr: Globale Mobilisierung gegen G8
Videokundgebung auf dem Boxhagener Platz, Fhain.

30.05.07 • 10 Uhr: Ein-Euro-Marsch durch Neukölln
Stadteilladen Lunte, Weisestr. 53